Oswald Unzenbacher

 

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Gut - nicht tugendlich

Als Getreuer des Wort Gottes kann und darf man sich in den christlichen Kirchen der Gegenwart nicht mehr heimisch fühlen, denn in diesen haben Strömungen des guten Empfindens die Herrschaft an sich gerissen, die zwar gut aber nicht tugendlich sind.

Dies bedarf der Erläuterung. Der sich als modern verstehende Christ ist ein gespaltener Charakter. Ohne Unterlass will er das Gute bewirken, das Gute in einem eitlen und oberflächlichen Sinne. Gegenüber den Lastern der Sünde hingegen gehabt er sich tolerant und vernachlässigt selbst die Tugenden des Gebets, der sexuellen Zucht, der rechten Erziehung seiner Kinder und der Mannhaftigkeit. Letzteres sei in einem besonderen Maße betont, denn die Feminisierung und somit Vertuntenisierung des Mannes nimmt mittlerweile erschütternde Formen an. Mann trägt Rüschchen und Röckchen, enthaart sich und schminkt sich. Junge Burschen gebärden sich als Lolitas.

Tugenden sind verpönt, dafür will man das Gute und gibt sich tolerant. Nicht zuletzt auch in den Kirchen, die in gesellschaftspolitischen Streitfragen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, schon regelmäßig Standpunkte des linken Meinungsspektrums bezieht. In Fragen der Flüchtlingspolitik, wo es in Wirklichkeit um die Erzwingung von ungeregelter Einwanderung geht, stehen die christlichen Kirchen weit links, befehden einen jeden Versuch der gesetzlichen Straffung und Kultivieren das Instrument des Kirchenasyls gegen den Willen des Gesetzgebers.

Die christlichen Kirchen sind heute in zusehendem Maße nicht mehr Träger einer tugendlichen Lebensauffassung, sondern Gemeinschaften in denen Dekadenz gelebt und Beliebigkeit gepredigt wird. Zucht und Ordnung sind unliebsam geworden, weshalb man umso mehr das Gute will. Das Gute in einem Eitlen und oberflächlichen Sinne, das deshalb Laster ist. Wie aber sollte ich mich noch in einer Kirche heimisch fühlen, wo man einem selbstgefälligen Hang zur Sünde frönt? Ich fühle mich verletzt und einsam – unbehaust.
1.7.06 11:30
 


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