Oswald Unzenbacher

 

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Das griechische Wunder im Lichte zölibatärer Tugend

Die alten Griechen waren das erste historische Volk ohne machtpolitisch institutionalisierte Religion. Und zwar in dem Sinne, dass sie keine herrschende (über religiöse Standards wachende) und sich selbst fortpflanzende, also vermöge eines korrumpierenden Interesses ihrer fleischlichen Inzucht waltenden Priesterkaste hatten. Statt weihevoll gewandeten Theologen lauschte der Grieche Geschichtenerzählern, wie es Homer einer war. Vor Magiern beugte sich der Grieche nicht. Er gewahrte nur deren orakelnde Worte, denen es nicht zu gehorchen, sondern welche es zu deuten galt. Und der Held handelte dann wider die Auslegung, wenn ihm danach zumute war. Priester und Priesterinnen konnten sich keiner außerordentlichen Wirkmacht über das Tun und Lassen der Menschen glücklich schätzen. Zwar hatte man Götter, doch diese waren keine Respektpersonen, weil lasterhafter und launischer als jeder Erdenmensch. Religiöse Kulte, soweit vorhanden, waren mangels einer tonangebenden Priesterkaste höchst weltlich. Zum Beispiel der rauschhaft sinnenfrohe Dionysioskult. Ausnahmen von dieser Regel – Orphistik – bestätigten auch nur die Regel. Vom Mythos zum Logos – Philosophie – war es nur ein kleiner Schritt und mit der Philosophie begann der europäische Sonderweg, der Europa zur globalen Vormacht werden ließ.

Wenn heute eine außereuropäische Nation erfolgreich ist, dann deshalb, weil sie – wie in Japan – die europäische Lebensart kopiert. Wenn anderswo aber Hochkulturen mächtige Priesterkasten hervorbrachten, und die Betonung liegt auf Kaste, so bedeutete dies Stagnation und Niedergang. Man verschwendete seine Energien, im alten Ägypten für einen aufwendigen Totenkult (Pyramiden), bei den Azteken für einen dem Sonnengott dargebrachten aberwitzigen Opferkult. Europa verdankt seinen (oft zu Faulheit und Übersättigung führenden) Wohlstand und seine (oft missbräuchlich ausgenützten) demokratischen Freiheiten den alten Griechen, die ein rein mystisches Sehnen durch eine ebenso kühne wie kühle Rationalität ersetzten. Dieses rein weltliche Prinzip wurde in späterer Zeit mit einer an Vernunftkriterien orientierten und deswegen einer intelligenten Aufgeklärtheit verpflichteten römischkatholischen Christenheit – Scholastik – in Einklang gebracht, deren klerikale Gelehrte und Funktionäre sich ob des zur züchtigen Askese nötigenden Zölibats niemals als Kaste verstanden, noch als solche sich jemals setzen konnten. Denn Erlöschende sind sie, als eine Spezie ohne biologischen Fortbestand. Jede Renaissance einer außerhalb der europäischen Kulturlinie stehenden und wider den christlichabendländischen Geist eifernden Religiosität muss deswegen mit Argwohn betrachtet sein. Erkenntlich daran, dass ihre Autoritäten nicht Erlöschende sind.
23.12.06 17:42
 


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